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Veranstaltungsangebote für den schulischen Bildungsbereich in Niedersachsen.

Fachtag Deutsch: Woyzeck und Normalität
Nr.
KH.2225.LUH2
Dauer
Tagesveranstaltung
Anfang
24.06.2022 , 09:00 Uhr
Ende
24.06.2022 , 16:00 Uhr
Anmeldeschluss
01.06.2022
max. Teilnehmende
130
min. Teilnehmende
50
Kosten
20,00€
Adressaten
Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen
Veranstaltungstypen
  • Präsenz
  • Tagung
Beschreibung
Der diesjährige Fachtag widmet sich gleich zwei zentralen Themenbereichen für den Deutschunterricht. Die Keynotes und interaktive Workshops werden den interessierten Lehrkräften die Möglichkeit bieten, sich unmittelbar und unter fachlicher Begleitung für das prüfungsrelevante Thema „Woyzeck“ im Deutsch-Abitur 2024 vorzubereiten, und zugleich dessen Protagonisten und seine gesellschaftliche Stellung zum Anlass nehmen, das virulente Thema der Inklusion fachaffin für den Deutschunterricht zu denken.

Thematisiert werden u.a:

- Woyzeck als kriminalistische und psychologische Fallgeschichte,
- der Einsatz von Graphic Novels im inklusiven Literaturunterricht,
- Woyzeck: Körperlichkeit als Schlüsselelement der Dramenanalyse,
- Förderbedarf im Bereich emotionale und soziale Entwicklung: Diagnostik und Intervention,
- Filmische Adaptionen von Woyzeck im Deutschunterricht der Migrationsgesellschaft,
- "Sonderlinge" in der Literatur – von Anton Reiser bis Oskar Matzerath,
- Woyzeck im intermedialen Literaturunterricht

Tagesordnung

ab 9:00 Uhr: Begrüßung

10.00 - 12:00 Uhr: Keynotes:

Woyzeck – zwischen Individuum und Gesellschaft
(Prof. Dr. Ralph Köhnen, Germanistisches Institut an der Fakultät für Philologie, Ruhr Universität Bochum)

Inklusion im Literaturunterricht
(Prof. Dr. Cornelius Herz, Deutsches Seminar, Leibniz Universität Hannover)

14:00 - 16:00 Uhr: Workshops

• Workshop 1
Georg Büchners Woyzeck als kriminalistische und psychologische Fallgeschichte
(Dr. Steffen Röhrs, Deutsches Seminar, Leibniz Universität Hannover)

• Workshop 2
Von Tell bis Woyzeck – Der Einsatz von Graphic Novels im inklusiven Literaturunterricht der Sek. I und II
(StR‘ Tanja Soellner, Deutsches Seminar, und Dr. Katrin Kreuznacht, Institut für Sonderpädagogik, Leibniz Universität Hannvoer)

• Workshop 3
Woyzeck: Körperlichkeit als Schlüsselelement der Dramenanalyse
(Dr. Till Nitschmann, Deutsches Seminar, Leibniz Universität Hannover)

• Workshop 4
Förderbedarf im Bereich emotionale und soziale Entwicklung: Drei Ansätze für Diagnostik und Intervention 
(Dr. Raphael Koßmann, Institut für Erziehungswissenschaften, Universität Hildesheim)

• Workshop 5
Filmische Adaptionen von Woyzeck im Deutschunterricht der Migrationsgesellschaft
(Dr. Söhnke Post, StR, Deutsches Seminar, Leibniz Universität Hannover)

• Workshop 6
"Sonderlinge" in der Literatur – von Anton Reiser bis Oskar Matzerath
(Dr. Annette Antoine, Deutsches Seminar, Leibniz Universität Hannover)

• Workshop 7
Woyzeck intermedial – medienästhetische Adaptionsstrategien im Deutschunterricht entschlüsseln
(Dr. Renata Behrendt, Deutsches Seminar, Leibniz Universität Hannover)

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Hinweis:
Bitte wählen Sie bei Ihrer Anmeldung eine dieser Fachsitzungen aus!
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Anmeldegebühren:

für Lehrer*innen: EURO 20,--
für Referendar*innen / Mitglieder des Fachverbandes Deutsch im DGV: EURO 10,--
für Studierende: kostenlos

Die Begrüßung und die Keynotes werden im Leibnizhaus, 30159 Hannover gehalten. Die Fachsitzungen werden nach der Mittagspause auf dem Campus der Leibniz Universität Hannover durchgeführt. Sie erhalten rechtzeitig vor dem Termine detaillierte Infomationen. Sollte die pandemische Lage es erforderlich machen, erfolgt ggf. ein Umstieg auf ein digitales Format.
Schulform

Sek I-Bereich,

Sek II-Bereich

Veranstalter
Kompetenzzentrum Universität Hannover - uniplus Lehrkräftefortbildungi
verantwortlich
Veranstaltungsteam
Dr. Söhnke Post (Leitung)
Workshops

14:00

15:00

16:00

Fallgeschichte

Georg Büchners Woyzeck als kriminalistische und psychologische Fallgeschichte

Georg Büchners Dramenfragment Woyzeck behandelt nicht nur den tragischen Werdegang der titelgebenden Figur, sondern auch einen Kriminalfall: Wie es der „Polizist“ am Ende des Textes in Anwesenheit von „Gerichtsdiener“, „Arzt“ und „Richter“ formuliert, begegnet uns hier „[e]in guter Mord, ein echter Mord, ein schöner Mord.“ Mit der Darstellung eines (Frauen-)Mordes spiegelt Büchners Drama ein seit Ende des 18. Jahrhunderts virulentes Interesse an der literarischen Erkundung der anthropologischen und psychosozialen Bedingungen von Verbrechen wider, das etwa auch in populären Erzähltexten von August Gottlieb Meißner (Skizzen) und Friedrich Schiller (Der Verbrecher aus verlorener Ehre) zu beobachten ist. Im Unterschied zu den sich im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelnden Detektivgeschichten, in denen ein genialer Ermittler zur Aufklärung komplexer Verbrechen beiträgt, stehen in solchen frühen Fallgeschichten neben juristischen Fragestellungen stärker die Biografie und Motivation von Täter*innen (und Opfern) im Vordergrund. Somit verschiebt sich der Fokus von einem Tatstrafrecht auf ein psychologisches Täter*innenstrafrecht. Im 90-minütigen Workshop sollen zunächst die terminologischen und literaturgeschichtlichen Ursprünge der Fallgeschichte beleuchtet werden. Auch die Inspiration Büchners durch reale Kriminalfälle seiner Zeit soll hierbei Beachtung finden. Anschließend geht es darum, die im Drama ausformulierten bzw. lediglich angedeuteten Motive des Mordes an Marie sowie die spezifische Psychologisierung Woyzecks als Täter und Opfer herauszuarbeiten. Ein kurzer Textvergleich mit einer exemplarischen Kriminalfallgeschichte Meißners soll veranschaulichen, welche Schreibweisen des Genres von Büchner aufgegriffen werden und inwiefern bei Woyzeck dennoch von einem ‚Sonderfall‘ gesprochen werden kann. Mit der Thematik der Kriminalfallgeschichte bietet der Workshop einen Anreiz, Büchners Drama unter einer neuen – und für Schüler*innen spannenden – Perspektive für den Unterricht zu erschließen.

GraphicNovels

Von Tell bis Woyzeck – Der Einsatz von Graphic Novels im inklusiven Literaturunterricht der Sek. I und II

In diesem Workshop widmen wir uns den Klassikern von Wilhelm Tell bis Woyzeck, die ihren festen Platz in den schulischen Literaturempfehlungen und Kerncurricula haben, die Schülerinnen und Schüler aber im inklusiven Setting des schulischen Deutschunterrichts vor große Verstehenshürden stellen. Dabei gehen wir von einem weiten Inklusionsbegriff aus und betrachten Schulen und Schulklassen der allgemeinbildenden Schulen sowie der Berufsschulen als inklusive Arbeits- und Lerngemeinschaften. Weiterhin gehen wir von einem weiten Literaturbegriff aus, der nahezu jeden erzählenden Text als literarischen Text versteht. Dementsprechend sind auch Bilder, Bildergeschichten, Bilderzählungen, Bildromane, narrative Zyklen, Fotoromane und Comics – kurz gesagt: Graphic Novels literarische Texte. Aufbauend auf diesen Grundannahmen betrachten wir Graphic Novels wie Woyzeck mit ihrer Mischung aus Bild- und Textelementen als literarische Texte, die neben allen Herausforderungen einen Mehrwert in der schulischen Praxis des inklusiven Literaturunterrichts in den Sekundarstufen bieten. Diesen grundlegenden Überlegungen zu einer inklusiven Literaturdidaktik folgend, sollen exemplarisch Graphic Novels schulischer Klassiker betrachtet und in Hinblick auf ihre Nutzung im inklusiven Literaturunterricht in den Sekundarstufen diskutiert werden.

Körperlichkeit

Woyzeck: Körperlichkeit als Schlüsselelement der Dramenanalyse

In Georg Büchners Dramenfragment Woyzeck (1837/1879) spielt die Körperlichkeit des Protagonisten sowie der anderen Figuren eine herausragende Rolle. Der einfache Soldat Woyzeck wird nicht nur während seiner Arbeit bei Hauptmann, den er rasieren muss, physisch und psychisch gedemütigt und unter Stress gesetzt, sondern vom Doktor im Zuge einer pseudowissenschaftlichen Erbsendiät zum körperlichen Versuchskaninchen degradiert. In der körperlichen Auseinandersetzung mit dem ihm physisch überlegenen Tambourmajor, der Woyzecks Geliebte Marie körperlich begehrt, unterliegt Woyzeck und wird verprügelt. Ausgehend von der im Drama Woyzeck verhandelten Körperlichkeit lotet der Workshop die literarischen, theatralen und didaktischen Potenziale des Dramentextes in gemeinsamer Diskussion aus. Textnah analysiert der Workshop unter Einbezug von Genderperspektiven die verschiedenen Körperkonzepte und nimmt darüber hinaus auch Inszenierungsmöglichkeiten und szenische Interpretationen in den Blick, wie sie beispielsweise im Deutschunterricht theatral ausagiert werden können.

Förderbedarf

Förderbedarf im Bereich emotionale und soziale Entwicklung: Drei Ansätze für Diagnostik und Intervention 

Wie kann man als Lehrkraft problematisches Verhalten möglichst objektiv beurteilen und wie kann man in Situationen, die festgefahren erscheinen, gezielt neue Lösungsmöglichkeiten generieren? Auch ohne besondere Vorkenntnisse in Mathematik, Psychologie und Sozialwissenschaften – und dem (falschen) Anspruch, als Lehrkraft zugleich auch Therapeut*in sein zu müssen –, besteht die Möglichkeit, sich gewinnbringend bestimmter Ansätze aus der Psychologie zu bedienen: So sollen im Workshop a) exemplarisch ein Screening für Lehrkräfte vorgestellt werden, mit dem sich das Arbeits- und Sozialverhalten von Schüler*innen objektiviert und überregional einschätzen lässt, b) eine psychodynamische und c) eine aus der Verhaltenstherapie stammende Methode zur Deutung von bestimmten Verhaltensweisen skizziert werden. Es sollen die Einsatzbereiche für die drei Ansätze einführend genannt und knapp aufgezeigt werden, wie aus ihnen Interventionen abgeleitet werden können. Nach dieser Einleitung wird die Möglichkeit gegeben, sich in Gruppen zusammenzutun, um die Ansätze auf konkrete Fälle, die die Teilnehmer*innen vielleicht einbringen möchten, probeweise anzuwenden. Ziel des Workshops ist es, vielleicht noch unbekannte Instrumente / Techniken aufzuzeigen, einen Eindruck von deren Systematik zu vermitteln und damit vielleicht Anregungen dafür zu liefern, wie man in problematischen sozialen Situationen systematisch nach Lösungen suchen kann.

Filmadaptionen

Filmische Adaptionen von Woyzeck im Deutschunterricht der Migrationsgesellschaft

Büchners Dramenfragment Woyzeck (1837/1879) wurde in zahlreichen filmischen Adaptionen aufgegriffen. Die bekannteste Verfilmung stammt sicherlich aus dem Jahr 1979 von Werner Herzog , der mit der Besetzung von Klaus Kinski einen Woyzeck lancierte, der bis heute wenig an seiner Strahlkraft verloren hat. Gerne wird Kinskis Darstellung des einfachen Soldaten, der physisch und psychisch gedemütigt und herabgesetzt wird im Deutschunterricht als Vergleichsgegenstand herangezogen. Es gibt jedoch auch unbekanntere, wenngleich ebenso eindrückliche Verfilmungen von Büchners Woyzeck, die den Stoff des Dramas in unser heutiges Gesellschaftssystem zu übertragen versuchen. Ein Beispiel hierfür stellt die Interpretation von Nuran David Callis aus dem Jahr 2013 dar, der Woyzeck als einen im Berliner Wedding verhafteten Arbeiter darstellt. Zwischen Berliner Kiez-Größen und dem ständigen Überlebenskampf in einer Gesellschaft, der sich Woyzeck, verkörpert von Tom Schilling, nicht mehr zugehörig fühlt, wird aufgezeigt, dass Büchners sensibler Blick in die Abgründe der menschlichen Psyche nichts an Aktualität verloren hat. In dem Workshop sollen die didaktischen Potenziale einer Behandlung des Films im Deutschunterricht eruiert werden. In diesem Zusammenhang wird Callis‘ Woyzeck sowohl als ein Spiegelbild der (post-)migrantischen Gesellschaft als auch als klassisches Vergleichsmedium zum Dramenfragment thematisiert. Am Ende des Workshops sollen konkrete Anregungen und Konzepte für den Unterricht geliefert werden.

Sonderlinge

Sonderlinge in der Literatur – von Anton Reiser bis Oskar Matzerath

Schon immer hat es in der Literatur Figuren gegeben, deren Charakter, Handlungsweisen oder Äußeres nicht den normativen Vorstellungen ihrer Zeit entsprachen. In der fiktionalen Spiegelung liegt dabei das Potential, ihnen sowohl durch Perspektivwechsel eine Stimme zu verleihen und sie als Akteur*innen zu präsentieren als auch gesellschaftliche Bewertungen offenzulegen, die diese ‚Sonderlinge‘ oft genug als Wahnsinnige oder ‚Missgeburten‘ pathologisiert oder bestenfalls als Störenfriede sozial geächtet haben. Büchners Woyzeck oder auch sein Lenz sind dafür gute Beispiele. Im Workshop sollen einige weitere Figuren vor und nach Woyzeck in den Blick genommen werden, um eine größere literaturgeschichtliche Einordnung vornehmen zu können. Die Beschäftigung mit Karl Philipp Moritz‘ Anton Reiser als früher Fallgeschichte der aufklärerischen ‚Erfahrungsseelenkunde‘, Hans im Glück als märchenhafter Umwertung von ‚Dummheit‘, dem Mädchen mit dem großen Kopf in Adalbert Stifters dunkler Erzählung Turmalin und dem ewig dreijährigen Oskar Matzerath aus Günter Grass‘ Blechtrommel kann helfen, Heterogenität als jeweils neu zu verhandelnde soziale Kategorie wahrzunehmen und Strategien für einen inklusiven Umgang auszubilden. In Kleingruppen sollen mithilfe von Auszügen Zugänge und Fragen an den Text entwickelt werden. Die Textauszüge werden vorab als Scans zur Verfügung gestellt.

Medienästhetik

Woyzeck intermedial – medienästhetische Adaptionsstrategien im Deutschunterricht entschlüsseln

Georg Büchners Dramenfragment Woyzeck (1837/1879) wurde in zahlreichen Filmen, Theateraufführungen und Hörspielen adaptiert sowie kürzlich auch in der Graphic Novel Woyzeck von Andreas Eikenroth mit comicspezifischen Mitteln nacherzählt. Der Comickünstler sagt über sein Werk, es sei eine grafische Inszenierung nach den Fragmenten von Georg Büchner. Von dieser Selbstauskunft des Autors ausgehend fokussiert der intermedial angelegte Workshop die Untersuchung der Wechselbeziehung zwischen dem literarischen Hypotext und seiner Adaption in Eikenroths Graphic Novel. Im Vordergrund stehen einerseits die Fragen nach Kontinuitäten und Veränderungen, die sich aus dem medialen Transfer ergeben. An ausgewählten Szenen/Panels wird in Gruppenarbeit die Art und Weise der Bezugnahme des Hypertextes auf den Vorlagentext erarbeitet – was ändert sich (nicht) an der Handlung/ Figurendarstellung/ Szenerie/ Perspektivierung? Die Ergebnisse der Analyse münden in der Beantwortung der Frage: Was für eine Interpretation von Büchners Woyzeck liegt in Eikenroths Adaption vor? Andererseits rücken die Besonderheiten der grafischen Inszenierung ins Zentrum des Untersuchungsinteresses. Der Fokus liegt auf der Analyse einer Seite der Graphic Novel mit besonderer Berücksichtigung des Raumes. Dabei werden auch intermediale Bezüge zu Film/Theater angesprochen. Anschließend wird über die Fragen diskutiert: Wie kann das Wahrnehmungsvermögen der Schüler*innen geschult/differenziert werden? Wie können sie darin unterstützt werden, die gestalterischen Besonderheiten der Graphic Novel zu erfassen und deren ästhetische Qualität zu beurteilen?

Zielsetzung
Vermittlung vertiefender Kenntnisse rund um das prüfungsrelevante Thema „Woyzeck“; Anregungen dafür, dessen Protagonisten und seine gesellschaftliche Stellung zum Anlass zu nehmen, das virulente Thema der Inklusion fachaffin für den Deutschunterricht zu denken.
Kompetenz
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Inhalte
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Bitte beachten Sie auch:

- Teilnahmebedingungen

Flyer Antrag zur Vorlage bei Vorgesetzten

Anmeldung nicht möglich: Der Anmeldeschluss ist schon vorbei

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